BMW will rund 8.000 Stellen 2026/2027 abbauen: Worauf Beschäftigte vor einem Aufhebungsvertrag achten können
- Noah Osuji
- 29. Juli
- 7 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 17. Aug.
Veröffentlicht am 29. Juli 2026 · Zuletzt aktualisiert am 29. Juli 2026 · Autor: Noah Osuji, Rechtsanwalt, Kanzlei Osuji in München · Lesezeit ca. 6 Minuten
Kurz gefasst: Beschäftigte der BMW Group, die im Rahmen des freiwilligen Abfindungsprogramms ein Angebot erhalten, können erwägen, dieses vor einer Entscheidung prüfen zu lassen. Ein Aufhebungsvertrag kann nach der Unterzeichnung regelmäßig nur noch in Ausnahmefällen rückabgewickelt werden. Neben der Abfindungshöhe können sozialrechtliche Folgen bedeutsam sein: Zu beachten ist, dass der voreilige Abschluss eines Aufhebungsvertrags eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld auslösen kann, da die Agentur für Arbeit annehmen kann, dass die Arbeitslosigkeit durch den Arbeitnehmer mitverursacht wurde.

Die wichtigsten Punkte zur Orientierung
Frage | Orientierung (unverbindlich, ohne Anspruch auf Vollständigkeit) |
Kann ein Anspruch auf Abfindung bestehen? | Ein gesetzlicher Anspruch besteht regelmäßig nicht; er kann sich aus Betriebsvereinbarung, Sozialplan, Tarifvertrag, § 1a KSchG oder einem Vergleich ergeben. |
Welche Orientierungsgröße wird genannt? | Häufig genannt wird eine Größenordnung von 0,5 Bruttomonatsgehältern je Beschäftigungsjahr; in Freiwilligenprogrammen können die Faktoren höher ausfallen. |
Kann ein Widerruf möglich sein? | Ein Widerrufsrecht dürfte regelmäßig nicht bestehen (BAG, 07.02.2019 – 6 AZR 75/18); eine Lösung kann nur in Ausnahmefällen in Betracht kommen. |
Kann eine Sperrzeit eintreten? | Ja, das kann in Betracht kommen. Regelmäßig kann sie zwölf Wochen betragen und die Gesamtdauer des Anspruchs verkürzen (§ 159 SGB III). Oft kann sie sich vermeiden lassen. |
Wie kann besteuert werden? | Eine ermäßigte Besteuerung nach § 34 Abs. 1 EStG (Fünftelregelung) kann in Betracht kommen, seit 2025 regelmäßig erst über die Einkommensteuererklärung. |
Können Sozialversicherungsbeiträge anfallen? | Echte Abfindungen können beitragsfrei sein; andere Zahlungen können beitragspflichtig sein. |
Kann ein Angebot abgelehnt werden? | Ja; das Arbeitsverhältnis kann bei Ablehnung eines freiwilligen Angebots unverändert fortbestehen. |
Was kann BMW nach den Medienberichten angekündigt haben?
Zur Orientierung: Nach der Berichterstattung vom 29. Juli 2026 kann die BMW Group bis Ende 2027 weltweit etwa 8.000 Stellen abbauen wollen. Betriebsbedingte Kündigungen sollen nach den bisherigen Angaben nicht vorgesehen sein; der Abbau soll über natürliche Fluktuation und ein freiwilliges Abfindungsprogramm in Deutschland erfolgen können. Das Programm soll von Oktober 2026 bis Ende 2027 laufen.
Punkt | Stand der Berichterstattung |
Umfang | Etwa 8.000 Stellen weltweit, Schwerpunkt voraussichtlich Deutschland |
Laufzeit | Oktober 2026 bis Ende 2027 |
Adressaten | Beschäftigte in Deutschland außerhalb der direkten Produktion (Verwaltung, Entwicklung); berichtet werden etwa 40.000 Angebotsempfänger, teils höhere Zahlen |
Standort | Schwerpunkt voraussichtlich München mit Konzernverwaltung und Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ) |
Abfindungshöhe | Offiziell nicht bekannt; nach Presseberichten kann sie sich an Betriebszugehörigkeit und Bruttomonatsgehalt orientieren |
Verfahrensstand | Rahmenvereinbarung mit der Arbeitnehmervertretung; die Gespräche sollen nach Angaben des Betriebsrats noch nicht abgeschlossen sein |
Hinweis: Die Unternehmensangaben beruhen auf öffentlicher Berichterstattung und können von den tatsächlichen Programmregeln abweichen.

Warum kann ein freiwilliges Ausscheiden rechtlich weiter reichen als eine Kündigung?
Zur Orientierung: Ein Abfindungsangebot kann rechtlich über einen Aufhebungsvertrag umgesetzt werden. Ein Aufhebungsvertrag kann als einvernehmliche Beendigung des Arbeitsverhältnisses verstanden werden. Damit kann der Kündigungsschutz entfallen.
1. Kündigungsschutz. Mit einem Aufhebungsvertrag kann der Schutz des Kündigungsschutzgesetzes entfallen.
2. Widerrufsrecht. Das Bundesarbeitsgericht hat entschieden, dass die verbraucherschützenden Widerrufsvorschriften der §§ 312 ff. BGB auf arbeitsrechtliche Aufhebungsverträge nicht anwendbar sein sollen.
3. Form. Nach § 623 BGB kann für einen Aufhebungsvertrag die Schriftform erforderlich sein; die elektronische Form soll ausgeschlossen sein. Eine Zustimmung per E-Mail oder über ein internes Portal dürfte dieser Anforderung regelmäßig nicht genügen. Bei einem Formmangel kann Nichtigkeit nach § 125 BGB in Betracht kommen.
Als Ansatzpunkte für eine Lösung vom wirksam geschlossenen Vertrag können in der Praxis eine Anfechtung wegen widerrechtlicher Drohung nach § 123 BGB sowie ein Verstoß gegen das Gebot fairen Verhandelns diskutiert werden. Ob solche Voraussetzungen vorliegen können, dürfte sich nur anhand des konkreten Sachverhalts beurteilen lassen.
Kann der Sonderkündigungsschutz auch bei einem Aufhebungsvertrag wirken?
Zur Orientierung: Der Sonderkündigungsschutz kann an Kündigungen anknüpfen. Bei einem Aufhebungsvertrag dürfte er daher regelmäßig nicht eingreifen. Schwerbehinderte Menschen, Schwangere, Beschäftigte in Elternzeit und Betriebsratsmitglieder können einen Aufhebungsvertrag regelmäßig ohne behördliche Zustimmung abschließen.
Betroffen sein können insbesondere schwerbehinderte und gleichgestellte Menschen (§ 168 SGB IX), Schwangere und Beschäftigte in Elternzeit (§ 17 MuSchG, § 18 BEEG) sowie Betriebsratsmitglieder (§ 15 KSchG). Die Zustimmung des Integrationsamts nach § 168 SGB IX kann auf Kündigungen bezogen sein; Ähnliches kann für die Behördenzustimmung nach § 17 Abs. 2 MuSchG gelten. In solchen Konstellationen kann es sich anbieten, den wirtschaftlichen Wert der aufgegebenen Rechtsposition bei der Bewertung eines Angebots mit zu berücksichtigen.
Welche Abfindungshöhe kann als üblich gelten?
Zur Orientierung: Eine Abfindung kann als einmalige Zahlung des Arbeitgebers für den Verlust des Arbeitsplatzes verstanden werden. Ein gesetzlicher Anspruch dürfte regelmäßig nicht bestehen. Als Orientierungsgröße kann ein halbes Bruttomonatsgehalt je Beschäftigungsjahr genannt werden. Dabei kann es sich um eine Verhandlungsgröße handeln, nicht um einen Anspruch; in Freiwilligenprogrammen können die Faktoren höher ausfallen.
Faktoren, die den Wert eines Angebots beeinflussen können:
Betriebszugehörigkeit und Bruttomonatsgehalt als mögliche Basis einer Formel
Lebensalter und Unterhaltspflichten, die in manchen Programmen als Zuschlag ausgestaltet sein können
Schwerbehinderung oder Gleichstellung
Deckelungen, etwa Höchstbeträge oder Kappungsgrenzen bei rentennahen Jahrgängen
Sprinter- oder Turboprämien für eine zeitnahe Annahme
die Einschätzung, wie wahrscheinlich ein Arbeitsplatzverlust ohne das Programm sein könnte
Der letzte Punkt kann wirtschaftlich bedeutsam sein: Ist eine Stelle nicht konkret gefährdet und schließt der Arbeitgeber – wie nach den Berichten die BMW Group für ihr Programm 2026/2027 – betriebsbedingte Kündigungen aus, kann eine Abfindung weniger als Ausgleich für einen drohenden Verlust und mehr als Gegenleistung für die Aufgabe eines bestehenden Arbeitsverhältnisses verstanden werden.
Kann bei einem freiwilligen Aufhebungsvertrag eine Sperrzeit eintreten?
Zur Orientierung: Zu beachten ist, dass der voreilige Abschluss eines Aufhebungsvertrags eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld auslösen kann, da die Agentur für Arbeit annehmen kann, dass die Arbeitslosigkeit durch den Arbeitnehmer mitverursacht wurde. Regelmäßig kann die Sperrzeit zwölf Wochen betragen; zudem kann sich die Gesamtdauer des Arbeitslosengeldanspruchs verkürzen (§ 159 SGB III, § 148 Abs. 1 Nr. 4 SGB III). Die Sperrzeit kann jedenfalls oft vermieden werden.
Nach § 159 Abs. 3 S. 2 SGB III kann sich eine Sperrzeit verkürzen
auf drei Wochen, wenn das Arbeitsverhältnis innerhalb von sechs Wochen nach dem sperrzeitbegründenden Ereignis ohne Sperrzeit geendet hätte (Nr. 1),
auf sechs Wochen, wenn es innerhalb von zwölf Wochen geendet hätte oder wenn zwölf Wochen eine besondere Härte bedeuten könnten (Nr. 2).
Was kann das Ruhen des Anspruchs nach § 158 SGB III bedeuten?
Zur Orientierung: Endet das Arbeitsverhältnis vor Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist, kann der Anspruch auf Arbeitslosengeld zusätzlich ruhen (§ 158 SGB III). Das Ruhen kann als Zeitraum verstanden werden, in dem Arbeitslosengeld nicht ausgezahlt wird, obwohl ein Anspruch bestehen kann. Anders als bei einer Sperrzeit kann es nicht an ein versicherungswidriges Verhalten anknüpfen, sondern an eine vorgezogene Beendigung. Sperrzeit und Ruhen können auch nebeneinander eintreten.
Für Beschäftigte der BMW Group kann dies vor allem bei Prämien für ein zeitnahes Ausscheiden relevant werden. Wer eine Sprinter- oder Turboprämie in Erwägung zieht, kann prüfen lassen, ob der Vorteil der Prämie durch einen möglichen Ruhenszeitraum ganz oder teilweise aufgezehrt werden könnte. Bei tariflich oder vertraglich unkündbaren Beschäftigten können für die Berechnung fiktive Kündigungsfristen herangezogen werden.
Muss ein Abfindungsangebot von BMW sofort unterschrieben werden?
Zur Orientierung: Eine rechtliche Verpflichtung, ein Abfindungsangebot ohne Bedenkzeit zu unterzeichnen, dürfte regelmäßig nicht bestehen. Bei einem Programm mit einer berichteten Laufzeit bis Ende 2027 kann in vielen Fällen Zeit für eine Prüfung bestehen.
Das Bundesarbeitsgericht hat entschieden, dass allein das Verlangen nach sofortiger Annahme das Gebot fairen Verhandelns nicht verletzen soll. Ein Verstoß kann jedoch in Betracht kommen, wenn eine psychische Drucksituation gezielt geschaffen oder ausgenutzt werden kann, etwa durch Überrumpelung, Ausnutzung einer Erkrankung oder das Verweigern jeder Prüfmöglichkeit. Als Rechtsfolge kann ein Schadensersatzanspruch nach § 280 Abs. 1 i. V. m. § 241 Abs. 2 BGB diskutiert werden, der auf Naturalrestitution gerichtet sein kann.
Es kann sich anbieten, schriftlich um eine Prüffrist zu bitten.
Was kann geschehen, wenn ein Angebot abgelehnt wird?
Zur Orientierung: Die Ablehnung eines freiwilligen Abfindungsangebots dürfte regelmäßig keinen Kündigungsgrund darstellen und keine Benachteiligung rechtfertigen. Das Arbeitsverhältnis kann unverändert fortbestehen.
Nicht ausgeschlossen erscheint allerdings, dass es zu späteren betriebsbedingten Maßnahmen kommen kann, falls sich ein Abbauziel über ein Freiwilligenprogramm nicht erreichen lässt. Im Fall einer Kündigung kann eine Klagefrist von drei Wochen ab Zugang zu beachten sein (§ 4 S. 1 KSchG), sodass eine zeitnahe Prüfung sinnvoll sein kann.
Ergänzend: Aufhebungsverträge auf Veranlassung des Arbeitgebers können nach § 17 Abs. 1 S. 2 KSchG bei der Massenentlassungsanzeige mitzählen. Wer bleibt, kann sich weiterhin im Anwendungsbereich des Kündigungsschutzrechts befinden; örtlich zuständig kann für Beschäftigte am Standort München das Arbeitsgericht München sein.
Häufige Fragen zur BMW-Abfindung (FAQ)
Kann ein Anspruch auf eine Abfindung bestehen?
Ein gesetzlicher Anspruch dürfte regelmäßig nicht bestehen.
Kann ein unterschriebener Aufhebungsvertrag widerrufen werden?
Ein Widerrufsrecht dürfte nicht bestehen. In Ausnahmefällen können eine Anfechtung nach § 123 BGB oder ein Verstoß gegen das Gebot fairen Verhandelns in Betracht kommen.
Kann Arbeitslosengeld trotz Abfindung bezogen werden?
Eine Abfindung dürfte nicht auf das Arbeitslosengeld angerechnet werden. Eine Sperrzeit nach § 159 SGB III und ein Ruhen nach § 158 SGB III können den Bezug jedoch verschieben und die Anspruchsdauer beeinflussen.
Kann eine Schwerbehinderung beim Aufhebungsvertrag wirken?
Die Zustimmung des Integrationsamts nach § 168 SGB IX kann auf Kündigungen bezogen sein. Bei einem Aufhebungsvertrag ist sie nicht erforderlich; der Sonderkündigungsschutz kann damit entfallen.
Kann eine Meldung bei der Agentur für Arbeit erforderlich sein?
Eine Pflicht zur Meldung als arbeitsuchend besteht bei der Unterzeichnung eines Aufhebungsvertrages. Eine verspätete Meldung kann eine Sperrzeit auslösen.
Wer kann die Kosten einer anwaltlichen Prüfung tragen?
Bei bestehender Rechtsschutzversicherung mit Arbeitsrechtsbaustein kann eine Deckungsanfrage gestellt werden. Ohne Versicherung kann die Erstberatung nach § 34 Abs. 1 S. 3 RVG auf höchstens 190 EUR netto begrenzt sein, soweit keine abweichende Vergütungsvereinbarung getroffen wird.
Wie kann ein BMW-Abfindungsangebot anwaltlich geprüft werden?
Zur Orientierung: Eine Prüfung vor der Unterzeichnung kann sinnvoll sein, da ein Aufhebungsvertrag danach regelmäßig nicht mehr korrigierbar sein dürfte. Rechtsanwalt Noah Osuji, Kanzlei Osuji in München, kann Abfindungsangebote in arbeitsrechtlicher Hinsicht prüfen und eine Verhandlung mit dem Arbeitgeber begleiten. Über den Ausgang einer Verhandlung kann vorab keine Aussage getroffen werden.
Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung und stellt allgemeine Informationen dar.


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